Pflanzliches ?

Blumenbunte Wiesen, Schattige Laubwälder, die berühmten Schwarzwaldtannen - erstaunlich, wie stark Pflanzen eine Urlaubslandschaft prägen, oder?

Die Welt der Pflanzen ist unerschöpflich. Was gibt es Schöneres, als bei einer ausgedehnten Wanderung am Waldrand zu rasten, den Duft vom wilden Thymian in der Nase - oder war es Gamander? - und den Schmetterlingen zuzuschauen, die über die Blütenkronen der Wiese vor uns gaukeln. Es lohnt auch, sich mit der Fülle der Pfanzenarten näher zu beschäftigen. Da wird dann auf einmal aus der "gelben Blume" die Arnika, aus dem "pinken Dingsda" die Karthäusernelke. Einen kleinen Einstieg in unsere Pflanzenwelt bieten wir Ihnen hier. Vielleicht fällt dieses Samenkorn ja auf fruchtbaren Boden. In jeder Buchhandlung erhalten Sie dann opulent bebilderte Bestimmungsbücher. Warum nicht im Urlaub auf den Geschmack kommen?

Welche verschiedenen Wälder gibt es in unserer Region?

Wald wäre ja von Natur aus in Mitteleuropa fast überall, weil es bei uns nur selten zu naß, zu trocken, zu heiß, zu kalt oder zu steil für Wald ist. Die Besonderheit in unserer Region liegt im großen Höhenunterschied begründet, den Sie hier auf kurzer Distanz erleben können. Die Wälder am Fuß des Schwarzwalds, auf den Kuppen seiner Vorberge, oder in den weiten Talauen der Schwarzwaldtäler sind sehr verschieden von dem, was man sich gemeinhin unter Schwarzwald vorstellt.

belchen im frühling1

Das kann man schön an diesem Frühlingsbild vom Kropbach im unteren Münstertal mit dem Belchen im Hintergrund erkennen. Am Bach blühen die Vogelkirschen. Graugrün treiben die Blätter der bachnahen Schwarzerlen, die natürlicherweise einen richtigen Wald im staunassen Bereich der heutigen Wiese bilden würden. Am ersten Schwarzwaldhang fällt die dunkelgrüne Fläche auf, die hier Tannen und Fichten markiert. Weiter oben sieht man schön, dass sich die Nadelbäume auch mit den hellgrünen Laubbäumen mischen können. Das wäre dann der für unsere Mittelhänge typische Buchen-Tannenwald. Die Fichte selbst übrigens würde natürlicherweise erst östlich vom Feldberg im Nadelwald vorherrschen. Als "Brotbaum" der Forstwirtschaft wurde sie in der Vergangenheit stark gefördert. Wenn wir einen Blick auf den dahinter emporragenden Belchen werfen, so sind dessen Unter- und Mittelhänge ebenfalls mit Buchen-Tannenwäldern bedeckt. Oben ist die Buche noch nicht ausgetrieben, aber man sieht dort auch große Waldlücken. Diese sind in den vom Menschen eingebrachten Fichtenwäldern durch den Borkenkäfer entstanden, der sich in den sehr warmen Jahren ab 1990 stark vermehrt hat und die Fichten zum Absterben brachte. Die für den Belchen charakteristische kahle Kuppe ist ebenso nicht natürlich. Von der Schönauer Seite haben sich schon früh die Viehherden auf den Berg getraut.

Ballrechten-Dottingen Castellberg Frühling1

Ein ganz anderes Bild bietet der Wald auf dem Castellberg bei Ballrechten-Dottingen. Seine Waldmütze über den Reben wird von Eichen gebildet. In erster Linie sind es Traubeneichen, die durch häufiges Einschlagen zur Brenn- und Pfahlholzgewinnung (Reb-Stecken!) ziemlich niederwüchsig daherkommen. Als Besonderheit haben sich aber auch einige Flaumeichen daruntergemischt. Diese Eichenart lässt sich äußerlich nur schwer von der Traubeneiche unterscheiden, da sich beide auch untereinander prächtig kreuzen. Sie hat ihre Heimat im Rhonegebiet - und damit ist ja unser Castellberg mittelbar über die Burgundische Pforte verbunden. Normalerweise müsste man Hunderte von Kilometern zurücklegen, um Berg-Buchen-Tannenwälder und Flaumeichen-Wälder zu sehen. Bei uns gelingt Ihnen das an einem Nachmittag!

Lindenwald1

Am Ölberg bei Ehrenkirchen gibt es noch eine lokale Besonderheit gleich unterhalb der berühmten Steinzeithöhlen. Hier hat sich auf Kalkschotter im warm-feuchten Klima über der Möhlin ein Linden-Mischwald durchgesetzt. Solche ausgedehnte Lindenbestände sind in Mitteleuropa selten, weil die konkurrenzstarke Buche gerne andere Laubbaumarten ausdunkelt.

Mit diesen drei Beispielen geben wir nur einen ersten Einblick in unsere Vielfalt der Wälder. Gehen Sie auf Entdeckungstour! Da gäbe es noch schöne Bergahorn-Schluchtwälder, mächtige Stieleichenwälder und und und....

Warum gibt es bei uns auf den Bergkuppen und -kämmen so viele blumenbunte Wiesen und Weiden?

Was ist das Besondere im Südschwarzwald? Ganz sicher der Reichtum an Wiesen und Weiden hoch oben auf den Bergkämmen und -kuppen. Das hängt mit der Kulturgeschichte unserer Region zusammen, die lange Zeit von der sogenannten Allmende geprägt war. Darunter versteht man Flächen, die von der Allgemeinheit gemeinschaftlich genutzt werden durften, ohne dass dies an besondere Eigentumsrechte gekoppelt war. Die typische Nutzung war dann jahrhundertelang die gemeinschaftliche Beweidung. Vereinzelt wurde aber auch Futter durch Mahd gewonnen. Da die Allmendfläche in der Regel weit entfernt von den zerstückelten Besitzflächen rund um die Orte war, erstreckten sie sich hinauf auf die Berge. Und das ergab dann über die Jahrhunderte hinweg ein Mosaik aus offenen Weideflächen, welches wir hier im Münstertal unter anderem dank Ihnen recht gut erhalten konnten. Dank Ihnen, weil ein Teil der von Ihnen gezahlten Kurtaxe in die Offenhaltung der Weideflächen gehen darf.

Münstertal Sonnhaldeberg2

In vielen Fällen sind aus der Jahrhunderte währenden Offenhaltung ganz besonders artenreiche Weiden und Wiesen geworden, die heute als Naturschutzgebiete weiter gepflegt werden. Als Charakterpflanze für diese Bergweiden kann bei uns die Arnika gelten, übrigens auch eine wertvolle Heilpflanze. Besonders schöne Arnikawiesen gibt es auf dem Stohren, auf dem Sonnhaldeberg und natürlich auch am Belchen.

Münstertal Arnikawiese1

An den Rändern solcher Weiden trifft man oft auf einen kleinen Ginster, der auffällig scharf geschnittene Blätter hat und niedrige Polster bildet. Es ist der Flügel-Ginster, der diesen Bergweiden auch ihren Namen als Flügelginster-Weiden gibt.

Flügelginster2

In den tieferen Lagen findet man bei uns hauptsächlich Mähwiesen, denn für den Winter benötigt der Viehhalter genügend Heu.

Münstertal Blumenwiese1 (2)

Gibt es in der Region Raritäten wie z.B. attraktive Orchideen?

Durch die große Vielfalt an Landschaftsformen auf kleinem Raum wechselt auch das Pflanzenkleid. Einen besonders großen Unterschied formt hier die Geologie. Auf unseren kalkhaltigen Vorbergen kommen viele der Pflanzenarten vor, die für den nahen Kaiserstuhl oder warme Lagen am Trauf der Schwäbischen Alb typisch sind. Besondere Freude bereitet der Reichtum unserer Orchideenwelt, den man vom April bis in den Hochsommer bewundern kann. Die größte Orchidee ist bei uns das manchmal meterhohe Purpur-Knabenkraut.

Purpurknabenkraut1

Hier kommt es gelegntlich sogar im Unterstand der Reben vor. Auch die Familie der Ragwurz-Orchideen ist mit prächtigen Arten vertreten.

Ehrenkirchen Ragwurz1

Über die Orchideen sollte man andere Kostbarkeiten der Flora nicht vergessen. So blüht beispielsweise ab Ende Mai die Türkenbund-Lilie in halbschattigen Buchenwäldern auf Kalk.

Türkenbundlilie2

Und mit dem Fransen-Enzian und dem Tausendgüldenkraut haben wir auch zwei Vertreter der Enziangewächse in unseren Reihen.

Tausengüldenkraut1

Tausendgüldenkraut

Ehrenkirchen Fransenenzian1