Tierisches ?

Wer seine Sinne schult, begegnet ihnen bei uns auf Schritt und Tritt - unseren "wilden" Tieren.

Warum gibt es bei uns Gämsen?

Ab etwa 700 Meter in der Höhe kann man sie im Münstertal antreffen, die Gämse. Diese Vertreterin der Wildziegen ist eigentlich im Alpenraum zuhause, wurde aber zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch im Südschwarzwald ausgewildert. Im Vordergrund stand damals die Gams als attraktives Jagdwild, welches aufgrund seiner Behendigkeit und Intelligenz hohe Anforderungen an den Jäger stellt. Rund um den Belchen, aber auch am Rehfelsen, am Scharfenstein, am Münstertäler Schlossberg und an der Kälbelescheuer trifft man auf diese schönen Tiere, die sehr genau realisieren, mit welchen Absichten man sich ihnen nähert. Falls Sie Hunde mitführen, müssen Sie in solchen Gebieten sehr aufpassen: Der unangeleinte Hund neigt auch bei guter Erziehung dazu, der Gämse kurz nachzusetzen. Und dies kann dann bei ihrer typischen Fluchtroute hinein ins Felsige ziemlich gefährlich für Ihren Hund werden. 

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Heute ist eine konsequente Bejagung der Gämsen wichtiger denn je. Aufgrund einer Anhäufung von Borkenkäferjahren ab 1990 ist vor allem die Nordflanke des Belchen stark verlichtet. Um hier neuen Wald hochzubringen, muss die knabbernde Gämse in Schach gehalten werden. Keine leichte Aufgabe für die Belchenjäger. Deswegen bitten wir Sie auch, dieses nicht noch schwerer zu machen, und auf Touren in Dämmerung und Dunkelheit zu verzichten.

Muss ich Angst vor Luchsen haben?

Die Wiedereinbürgerung des Europäischen Luchses gehört zu den Erfolgsgeschichten im Schweizer Naturschutz. Dort haben Urs Breitenmoser und Kollegen seit den 90er Jahren sehr erfolgreich für den Aufbau einer stabilen Population gesorgt. Schweizer Luchse haben sich seitdem auch mal den Schwarzwald und die Vogesen angesehen und manchmal "für gut befunden", was ihnen gerade in den Vogesen nicht immer gut bekam. Denn für einige Jäger - nicht für alle! - ist der Luchs ein unerwünschter Rivale. Dies weniger, weil man ihm das eine oder andere Reh nicht gönnen würde, sondern eher, weil die Präsenz eines Luchses nach Meinung einiger Jäger die Heimlichkeit des Wildes deutlich erhöht und damit die Bejagung noch weiter erschwert.

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Ausbreitungstendenzen zeigen beim Luchs vor allem die jungen Kuder (= männliche "Halbstarke"). Darin liegt auch das Hauptproblem, wenn man über die Wiedereinwanderung aus der mittlerweile großen Schweizer Luchspopulation auch im Schwarzwald den Luchs wieder zum festen Bestandteil machen möchte. Einfach ausgedrückt: Die armen Kerle finden hier keine Frau. Von der Struktur unserer Wälder her wäre gerade das Münstertal ein ideales Luchsrevier. Und tatsächlich zeigen sich immer wieder einmal durchstreifende Luchsmänner. Vor diesen brauchen Sie als Gast natürlich keine Angst zu haben. Der Luchs ist das scheueste Großkatze Europas. Selbst in normal besetzten Luchsrevieren gehört es zu den größten Seltenheiten, einmal auf ein solches Tier zu treffen. Auch Luchsrisse an weidenden Schafen oder Ziegen sind eher selten, kommen aber trotzdem vor. All dies gilt es zu bedenken, wenn man tatsächlich den Luchs wieder heimisch machen möchte im Schwarzwald. Ohne eine gezielte Wiedereinbürgerung à la Schweiz wird es vermutlich sehr lange dauern - und an der Einbürgerung scheiden sich die Geister, weil sie natürlich mit aufwändigen Wildfängen aus anderen Gebieten verbunden ist. Übrigens können Sie sich ganz bequem Luchse in halbwegs natürlicher Umgebung anschauen, wenn Sie mal zum Steinwasenpark bei Hofsgrund pilgern - ist auch ein Tipp für Rothirsche und Gämsen...

Gibt es im Schwarzwald schon Wölfe?

In 2015/16 ging es gleich zweimal durch die Presse: Wölfe vor den Toren des Schwarzwalds! Bei beiden Fällen handelte es sich traurigerweise um Tiere, die an stark befahrenen Straßen überfahren worden waren. Im Gegensatz zum Luchs könnten Wölfe gleich aus zwei Richtungen einwandern: Die Wolfsreviere im Brandenburg sind so gut besetzt, dass von hier vor allem männliche Jungwölfe kontinuierlich abwandern. Und das uns nächstgelegene Wolfsrudel heult in der Calanda bei Chur (CH).

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Der Wolf wäre im Münstertal bezüglich der Auswirkungen völlig anders zu beurteilen als der Luchs. Unsere über 1200 Ziegen, die oftmals weit weg von den Höfen die Steilhänge beweiden, wären eine gefragte Beute. Da kann ein einziger Wolf in einer Nacht durchaus einmal 20 Ziegen töten! Im Alpenraum antwortet man auf diese Bedrohung durch das Einführen von tatkräftigen Hütehunden, die bei den Herden wachen. Auch dies hat jedoch gewisse Konsequenzen, wie so mancher Wanderer mit Hund berichten kann. Denn die großen weißen ungarischen Hütehunde sind nicht zimperlich in der Verteidigung gegen vermeintliche Eindringlinge. Ebenso wird aus verschiedenen Wolfsgebieten berichtet, dass es so eine Sache sei mit der Scheu dieses Wildtieres. Wenn er erstmal geblickt hat, welche Möglichkeiten auch die Nähe von menschlichen Behausungen bieten können, bekommt man ihn dort immer häufiger zu Gesicht. Machen wir es kurz: Zur Zeit ist der Wolf noch nicht heimisch im Schwarzwald, aber die Zahl der "Vortester" schein sich zu erhöhen.

Kann man hier Hirsche röhren hören?

Gehört nicht in jeden anständigen deutschen Wald ein röhrender Rothirsch, so wie er früher jedes anständige Wohnzimmer über dem Sofa geziert hat? Ohne spezielle Hegemaßnahmen müsste man diese Frage vermutlich bejahen. Weil aber der Rothirsch ziemlich übel mit den Bäumen im Wald umgeht, hat man seine Existenz in Baden-Württemberg auf sogenannte Rotwildgebiete beschränkt. Das uns nächstgelegene wäre am Schluchsee - und sie sollten sich dort einmal aufmerksam die Bäume anschauen nach Schäl- und Fegeschäden. Außerhalb eines exakt begrenzten Rotwildgebietes heißt es salopp gesagt "Feuer frei" auf den Hirsch, damit er nicht überall die Bäume schält. Dies tut er übrigens als Raufutterfresser aus zwei Gründen: Einmal, wenn er Stress hat (ähnlich wie unsereins, der dann zur Zigarette oder zur Schoki greift); andererseits, um seiner Verdauung etwas Gröberes hinzuzufügen (ähnlich wie unsereins, wenn wir beim Brot auf Ballaststoffe achten). Da Rothirsche als Rudeltiere leider oft stressgeplagt und hungrig sind, sieht der Wald dann dementsprechend aus. Also seien Sie froh - und schauen sich die Hirsche am besten im Steinwasenpark an. Da röhrt im Oktober sogar ein mindestens Zwölfender!

Auf welche Giftschlangen muss ich achten?

Das können wir kurz machen: Auf gar keine! Denn die giftige Kreuzotter konzentriert sich im schwarzwald auf den Norden (Nationalpark und Umgebung) - und die ebenso giftige Aspisviper hat ihre sehr wenigen Fundplätze in den trockenen Steinschutthalden des südlichen Hotzenwalds. Zwei echte Schlangen können Sie bei uns bewundern.

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Die Ringelnatter kommt überall vor. Eigentlich gerne an Gewässern, kann sie jedoch auch weit weg von demselben beobachtet werden. Ringelnattern sind oberseits eher einfarbig (schwarz, braun, gelegentlich sogar fast beige), haben aber im Nacken ein charakteristisches halbmondförmiges Mal.

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Die seltenere Schlingnatter konzentriert sich auf trocken-warme Hänge mit Mauern oder Steinen. Sie weist oberseits ein Zackenband auf und kann daher mit einer Kreuzotter verwechselt werden. Um "todsicher" zu sein, müssen Sie der Schlange genau in die Augen schauen: Eine Kreuzotter hat stets einen senkrechten Pupillenschlitz.

Bitte stellen Sie unseren Schlangen nicht nach! Zum einen sind beide Arten geschützt, zum anderen können sie sich auch ohne Giftzähne wirkungsvoll wehren, in dem sie ein fürchterlich stinkendes Analsekret dem vermeintlichen Angreifer entgegenspritzen - da braucht es dann mehrere Waschgänge, um nicht mehr daran erinnert zu werden...

Zuletzt noch ein Blick auf unsere berühmteste "Schlange" - eine, die gar keine ist, aber so lang, dass man sie für eine halten könnte! Im Belchengebiet und am Feldberg kommt er noch vor, und sonst tatsächlich nirgendwo. Eigentlich müsste er daher unser Wappentier sein, denn dass Arten nur auf einer so begrenzten Fläche vorkommen, ist zumindest für Mitteleuropa etwas sehr Seltenes. Wir reden vom Badischen Riesenregenwurm - kein Aprilscherz, den gibt es wirklich!

Badischer Riesenregenwurm1klein

Und wer sich an seine Mutproben der Kindheit erinnert: Mit diesem Vertreter hier wäre man tatsächlich satt geworden. Dieser längste europäische Regenwurm kann durchaus mal 60cm lang werden und ist dann fast so dick wie der kleine Finger. Ansonsten sieht er unserem normalen Regenwurm zum Verwechseln ähnlich.

Stimmt es, dass es bei Euch ein männermordendes Ungeheuer gibt?

Ja, und dafür brauchen wir keinen neuen Regional-Krimi zu schreiben. Der Klimawandel hat uns die Einwanderung der Gottesanbeterin beschert. Diese Fangschrecke war noch vor wenigen Jahren auf das Kaiserstuhlgebiet beschränkt. Heute treffen Sie gelegentlich am Ölberg und am Castellberg auf das eindrucksvolle Insekt.

Gottesanbeterin1

Übrigens ist das mit dem Männermorden ein halbes Ammenmärchen. Richtig ist, dass es die Männer nicht gerade komfortabel haben bei dieser Art. Zum einen sind sie gegenüber dem Weibchen eher schmächtig. Zum anderen werden sie von diesem eigentlich nur zum Geschlechtsakt als gleichwertig angesehen. Verbleibt ein liebestrunkener Mann danach noch länger als gebührlich in der Nähe seiner Frau, kann es dann tatsächlich vorkommen, dass diese in den Beutemodus umschwenkt und den Gatten als willkommene Speise verputzt. Aber Ehrenwort - das ist eher die Ausnahme!