Im Takt der Natur

Auf unserem Hof haben wir 15 Milchkühe und einige Kälber. Das gibt dem Tag einen festen Rhythmus: Melken, Rausführen, Reinholen, Füttern. Wenn ich die Tiere von der Weide in den Stall führe, ihnen Heu zu fressen gebe, das Euter säubere und den Kontakt zu jeder einzelnen Kuh halte, dann ist das ein Miteinander - ein Geben und ein Nehmen, um gute Milch zu erhalten.

Mein Ausgleich ist mein Garten. Er liegt so, dass die Morgensonne den Tau rasch trocknet. Dadurch bleiben die Blätter gesund. Mit Blattkrankheiten habe ich keine Probleme. Manche Gäste wundern sich, dass ich so viele Blumen im Garten habe. Sie denken oft, ein echter Bauerngarten hat nur das, was auf den Tisch kommt. Aber das eine schließt doch das andere nicht aus. Die Blumen sind uns eine Augenweide und den Bienen meines Mannes eine Nektar- und Pollenquelle. Oftmals schaue ich aus dem Küchenfenster hinüber zum Garten, und wenn dann die Malven sanft im Wind wiegen, als ob sie dir zunicken, bringt das Sonne in meinen Tag.

Besonderen Wert lege ich auf die Bodenbearbeitung. Der Boden ist die Mutter des ganzen Gartens – sein Geruch verändert sich je nach Jahreszeit, diesen nehme ich bewusst wahr. Hier im Münstertal ist er oft dunkelgrau, fast schwarz. Vor über 400 Jahren waren in der heutigen Ortsmitte, wo unser Hof seit mehr als 300 Jahren steht, feuchte Wiesen mit vielen Quellen. Das zusammen mit unserem Schwarzwald-Gneis macht schwarzen Boden. Ein guter Boden braucht viel Luft, dafür sorgen die Regenwürmer. In Kombination mit Kompost und Festmist von den eigenen Kühen ist das die halbe Miete für eine gute Ernte. Besondere Sorgfalt verwende ich auf Saat- und Pflanzbeete, damit die zarten Keimwurzeln die für ihre Entwicklung notwendigen Nährstoffe optimal erschließen können. Natürlich kann trotzdem noch viel passieren, bis aus dem Salatsetzling ein fester Kopf wird, den ich gerne den Gästen in unserer Ferienwohnung in die Hand drücke. Bei welchem Tier bekommt sogar die sanfteste Biogärtnerin manchmal Mordgelüste? Richtig, die lieben Schnecken. Dafür habe ich ganz emsige Helfer – meine beiden Laufenten verputzen sogar die roten Nacktschnecken.
So wie unser Milchvieh den Morgen und den Abend prägt, gibt der Garten den Takt für das ganze Jahr. Für mich ist der Garten meine Brücke zur Natur und Quelle für Kreativität.

Ursel Zimmermann, Bioland-Bäuerin in Münstertal

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