Der Frühling hat´s gepackt!

Schwarzwald und Markgräflerland im März geht oft so: Oben hat oft der Winter die Natur noch fest im Griff - unten summen bereits die Bienen. Jetzt im April ist aber der Frühling endgültig Sieger...

Unsere Bienen – Wohltäter für Mensch und Landschaft

Mit den ersten Frühlingstagen gehört es rasch wieder zur vertrauten Bild- und Geräuschkulisse jedes Spaziergangs durch die aufblühende Natur: Ein emsiges Bienenvölkchen ist unterwegs von Blüte zu Blüte - munter summend und manchmal recht „wunderfitzig“ auch mal eine gelbe Tasche oder ein orangenes T-Shirt ansteuernd. Bienen fühlen sich wohl in unserer Landschaft - und dies ganz besonders im Frühling!

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Biene ist nicht gleich Biene

Zunächst brauchen wir ein wenig Biologie, wenn wir das vielfältige Gesumme und Gebrumme draußen verstehen möchten. Was gemeinhin als „Biene“ angesprochen wird, ist die Honigbiene – eine in jahrhundertelanger Zucht spezialisiertes Haustier des Menschen. Diese ist aus einer Wildform hervorgegangen, die inzwischen als ausgestorben gilt. Neben der Honigbiene gibt es weltweit über 20.000 weitere Bienenarten. Bei uns in Baden-Württemberg kommen davon knapp 500 Arten vor – und speziell unsere Region ist dank ihrer Wärmegunst gemeinsam mit dem Kaiserstuhl und Tuniberg ein echter „Hotspot“ der Bienenartenvielfalt. Die meisten Wildbienenarten sind deutlich kleiner als die Honigbiene, es gibt aber auch richtig „dicke Brummer“ unter Ihnen wie z.B. unsere Hummelarten oder die hummelgroße Holzbiene. Während unsere Honigbienen als individuenreiche Völker in den vom Imkern gebauten „Kästen“ wohnen, leben die Wildbienen gattungs- oder artspezifisch sehr unterschiedlich: Es gibt einzeln lebende Vertreter in Erdhöhlen, Kleingruppen in trockenen Pflanzenstängeln oder Völker in Baumhöhlen. Fast alle Hohlräume, die Pflanzen bieten oder in Lehmwände wie Böden selbst gegraben werden können, werden besiedelt. Ein Artenreichtum an Wildbienen ist daher für jede Landschaft so etwas wie ein Adelstitel, weil er mit einem besonderen Strukturvielfalt einhergeht.

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Pflanze und Biene

Bienen bestäuben Blüten – das haben wir alle gelernt. Aber es lohnt sich, diese Wechselbeziehung noch etwas genauer zu betrachten. Bestäubung heißt ja zunächst nichts anderes wie vollzogene Vermehrung – nicht umsonst diente ja das fleißige Bienchen auch als Startpunkt eines kindgerechten Aufklärungsunterrichts. Nun haben viele Blütenpflanzen andere Mittel und Wege gefunden, den Pollen der einen Blüte auf die Narbe der anderen zu bringen. Das häufigste Medium ist der Wind, wie wir zum Beispiel bei den unscheinbaren Rebblüten beobachten können. Was ist nun der Vorteil einer Bestäubung durch Bienen? Hier kommt eines der „Wunder der Evolution“ zur Geltung, das auch nach langjähriger biologischer Forschung nicht vollständig enträtselt werden konnte: In Jahrmillionen haben sich die Vorlieben einzelner Bienenarten und die Blütenformen einzelner Gefäßpflanzen aufeinander zubewegt. Ziel dieser gegenseitigen Anpassung ist die Intensivierung der Beziehung zwischen einer speziellen Bienenart und einer speziellen Pflanzenart. Daraus erwächst für beide ein enormer Vorteil: Die eine Pflanzenart kann sich ziemlich sicher sein, dass der beim Blütenbesuch aufgenommene Pollen bei einer Artgenossin landet. Die Bienenart kann sich aus der verwirrenden Vielfalt an Blüten auf das Blütenbild konzentrieren, mit dem sie am besten zurechtkommt. Während also Windbestäuber ausgesprochen verschwenderisch mit ihrem Pollen umgehen müssen – die Heuschnupfengeplagten können davon ein Lied singen – kann die insektenbestäubte Blüte ihre Ressource sehr gezielt einsetzen. Ein weiterer Effizienzvorteil gesellt sich hinzu: Bei vielen Blüten wird die Biene angelockt durch wohlriechenden Nektar, welchen die Blüten absondern. Wurde eine Blüte bereits besucht, ist dieser zunächst nicht mehr vorhanden und die Biene sucht die nächste noch volle Blüte. Dadurch ist sichergestellt, dass nicht die räumlich nächsten Blüten ständig wiederbestäubt werden, sondern nach Möglichkeit der gesamte verfügbare Blütenbestand gleichmäßig in den Genuss der Bestäubung kommt. Berühmt geworden in diesem Zusammenhang sind noch weitergehende Anpassungen zwischen Blüte und Bestäuber, wie sie beispielsweise bei unseren heimischen Ragwurz-Arten beobachtet werden kann. Hier arbeitet die Pflanze mit dem massivsten Lockmittel, welches der Natur eigen ist: Die Blüte imitiert in Form und Gestalt den bevorzugten Geschlechtspartner des blütenbesuchenden Insekts. Folgerichtig nennen wir die Ragwurzarten dann auch Bienen-, Hummel- oder Fliegenragwurz.

Biene und Biene

Auch zwischen einzelnen Wildbienenarten hat sich die Natur besondere Wechselbeziehungen einfallen lassen, die in ihrer Gesamtheit sehr positiven Einfluss auf den Artenreichtum haben. Vor einer sonnenbeschienenen Löss- oder Lehmwand lassen sich einige von diesen trefflich studieren. Da gibt es beispielsweise sogenannte „Kuckucksbienen“. Nomen est Omen: Diese Gesellen sind auf der Suche nach passenden Gastbienenarten, denen sie ihre Brut unterjubeln können. So wird dann Höhle für Höhle der Lehmwand angeflogen auf der Suche, ob dort die passende Bienenart nistet. Wenn ja – schwupps ist das eigene Ei der Brut zugesteckt. Es mag verwundern, wieso solche Strategien zur Artenvielfalt beitragen, aber da der Parasit aus Eigeninteresse darauf achtet, dass die parasitierte Art nicht ausstirbt, wird eine Lebensmöglichkeit (= ökologische Nische) quasi doppelt genutzt. Übrigens begründet das Vorkommen von parasitären Bienenarten auch die bei der Honigbiene zu beobachtende Wachsamkeit der Arbeiterinnen gegenüber Eindringlingen in den Stock. Jeder Imker hat schon vielfach beobachten können, wie sich ein Trupp Arbeiterinnen äußerst wehrhaft um das Einflugsloch schart, wenn sich Arbeiterinnen eines anderen Volkes dorthin verirren.

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Biene und Mensch

Um die Wechselbeziehungen zwischen Bienen und Menschen zu ergründen, gehört der Besuch des Münstertäler Bienenkundemuseums zum absoluten Pflichtprogramm. Nirgendwo anders ist in so geballter Fülle Material herbeigeschafft und zugänglich gemacht worden wie hier – eingebettet in die bezaubernde Räumlichkeit des ehemaligen Obertäler Rathauses. Öffnungszeiten und Eintrittspreise entnehmen Sie bitte dem angehängten Infokasten.

Dass die Honigbiene Honig produziert, überrascht nicht. Aber was ist denn Honig genau? Mit dieser Frage können Sie jeden Lebensmittelchemiker in Verlegenheit bringen, denn neben dem „flüssigen Zucker“, der Honig nun mal ist, enthält dieser unzählig viele Fermente und Sekundärstoffe, die von Tracht zu Tracht sehr unterschiedlich sein können. Geruch, Farbe und Konsistenz werden von ihnen teilweise bestimmt. Aber schon in der Antike war bekannt, dass Honig auch antibakterielle Substanzen beinhaltet, die z.B. der Wundheilung sehr förderlich sein können.

Aus der Fülle der weiteren Bienenprodukte sei noch das Kittharz oder Propolis hervorgehoben, jene bisweilen streng riechende Substanz, mit der die Bienen ihren Stock gegen Infektionen aller Art schützen. Propolis erhalten Sie in den verschiedensten Darreichungsformen – die jedoch meist nur den Grundstoff in sehr geringer Konzentration bieten (so z.B. in Zahnpasta, als Tropfen, in Dragees etc.). Unübertroffen ist reines Propolis, wie es der Imker-Apotheke Dr. Joachim Exner aus Alpirsbach anbietet - weitere Infos finden Sie hier. Anfangs leicht skeptisch, hat mich bereits der erste Selbstversuch voll überzeugt: Den Inhalt der Propoliskapsel auf einen Teelöffel, kurz die Geschmackspapillen auf der Zunge abstellen (je nach Charge schmeckt es sehr gewöhnungsbedürftig) und genüsslich rein mit dem Propolis in den Rachen – dabei möglichst lange im Mund behalten, bevor man es runterschluckt. Man spürt förmlich, wie die bösen Halsschmerzbakterien Reißaus nehmen vor dieser geballten Kraft!

Und hier angehängt gleich noch der Hinweis auf unsere geballte diadktische Kraft im Bienenkundemuseum. Was kann es Passenderes zum Frühlingsstart geben als ein Besuch? Übrigens haben wir gerade das 40jährige Bestehen dieses einmaligen Museums gefeiert. In der langen Zeit haben die ehrenamtlichen Betreuer über 100.000 Kindern, Eltern, Großeltern und allen anderen Gästen das Leben die Biene nahegebracht - Chapeau!

 

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Bienenkundemuseum im Münstertal

Das Museum ist geöffnet am:
Mittwoch, Samstag, Sonntag und an allen Feiertagen
- von 14.00 bis 17.00 Uhr.
Gruppenführungen auf Anfrage

Hier gelangen Sie zur Homepage des Museums.

Adresse & Kontakt

Spielweg 55
79244 Münstertal
Tel. 07636 791105